Erfolge trotz schlechter Voraussetzungen

Critical Mass – sogar in Kempten

Erfolge trotz schlechter Voraussetzungen

Sogar in der mittelgroßen Stadt Kempten im Allgäu haben sich mehrmals jeweils über dreißig Radfahrer zur Critical Mass zusammengefunden. Und dies ob wohl die Voraussetzungen dafür in Kempten nicht gerade ideal sind.

Fahrradkultur, Fahrrad-Lifestyle, eine lokale Radszene – so etwas ist in den Städten weltweit gerade kräftig im Kommen. Beispiele dafür in Deutschland sind Hamburg, Berlin, Nürnberg, Stuttgart und Köln.

Kempten ist jedoch keine Großstadt. Und das Allgäu ist geprägt von ländlichen Strukturen. Somit ist hier der Autobesitz noch selbstverständlich. Das Fahrrad wird bisher von den meisten nur als Freizeit- und Sportgerät betrachtet; und nicht als Alltagsfortbewegungsmittel.

Anders ist die Situation in Großstädten:

Immer weniger junge Menschen machen ihren Führerschein so früh wie möglich. Der Trend weg vom frühen Führerschein hält laut Experten an  habe sich zuletzt sogar verfestigt. In Großstädten wie Berlin legt nach Angaben der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände nur noch etwa jeder fünfte Jugendliche die Fahrprüfung gleich mit 17 Jahren ab.
Mit 15 Jahren der Mofa-Führerschein, mit 16 der fürs Moped, mit 17 dann fürs Auto – dieses Ziel habe heute eigentlich nur noch die Jugend auf dem Land,
beziehungsweise überall dort, wo man mit Bahnen oder mit dem Fahrrad nicht so einfach unterwegs ist wie in der Großstadt. Der Wunsch nach dem frühen Führerschein ist nur noch dort vorhanden, wo man sonst aufs Taxi Mama angewiesen ist.
(F.A.Z., 30.12.2014)

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Verkehr verfügt in Berlin nur etwa jeder zweite Berliner Haushalt über ein Auto. (Berliner Morgenpost, 30.03.2015)

Was bewegt die Menschen dazu, auf Autobesitz zu verzichten? Neben teuren Parkgebühren und viel Zeit für die Parkplatzsuche gehört sicher auch ein attraktives Netz aus öffentlichen Verkehrsmitteln dazu. Denn, man kann oder will vielleicht nicht immer mit dem Fahrrad fahren.

Weniger Autobesitz führt automatisch zu mehr Fahrradbenutzung; auch und gerade im Alltag. Um die Kemptener weg vom Auto zu bekommen, dürfte es also in der Stadt keine kostenlosen Parkplätze mehr geben (stattdessen für Auswärtige kostenlose Park-And-Ride-Parkplätze am Stadtrand) und das öffentliche Verkehrsnetz müsste viel besser ausgebaut sein. Abends und am Wochenende fahren zu wenig oder überhaupt keine Busse. Und nicht alle Stadtteile sind mit dem Busnetz erschlossen. Auch die Taktung der Fahrpläne ist zu niedrig. Wenn der Bus eine Alternative zum Auto sein soll, möchte ich mein Leben nicht nach Fahrplänen ausrichten müssen. Oder schaut etwa jemand in der Großstadt auf den Fahrplan wann die nächste U-Bahn kommt?

Die Vision vieler Teilnehmer der Critical Mass Kempten: In Kempten darf Autobesitz nicht mehr selbstverständlich sein, und Fahrräder müssen als Alltagsverkehrsmittel – nicht nur als Freizeit- und Sportgeräte – betrachtet werden. Die vielen Teilnehmer an der Critical Mass Kempten haben es gezeigt: Dann werden sich auch in Kempten eine Fahrradkultur, ein Fahrrad-Lifestyle und eine lokale Radszene entwickeln.

Critical Mass Kempten: 8 Teilnehmer

Ich kenne ja einige der üblichen Teilnehmer. Viele von denen waren am Freitag nicht in Kempten (z. B. im Urlaub). Einige waren auch mit Erkältung geplagt und blieben bei der kühlen Witterung lieber daheim. Und so kam es, dass nur 8 Radler am Start waren.

Aus meiner Erfahrung vom letzten Jahr kann ich sagen, dass jetzt vor April in Kempten keine Critical Mass mehr zustande kommen wird.

Wir sehen uns im Frühjahr … 🙂

Meldeplattform RADar!

RADar!

Der STADTRADELN-Einstieg ist noch jeder Zeit innerhalb des Aktionszeitraums (2.–22. Juli) möglich und die Kilometer können auch noch nachträglich erfasst werden.

Mit der Meldeplattform RADar! im STADTRADELN Online-Radelkalender unter https://www.stadtradeln.de/radlerbereich.html können die Teilnehmer die Stadtverwaltung innerhalb des dreiwöchigen Aktionszeitraums auf störende oder gefährliche Stellen im Radwegeverlauf in Kempten aufmerksam machen. So kann jeder Radelnde selbst zu Verbesserungen beitragen.

Bereits von anderen Teilnehmern eingegebene Meldungen können über die Bestätigungs-Funktion bekräftigt werden, wenn man das auch selbst gemeldet hätte.

Aufruf: Bürgerbeteiligung am Mobilitätskonzept der Stadt Kempten 2030

Im Wirtschaftsbrief April 2015 der Stadt Kempten lädt Kemptens OB Thomas Kiechle interessierte  Gruppen ein, gemeinsam an einem Mobilitätskonzept für Kempten zu arbeiten:

„… Zur Bewältigung der steigenden Verkehrsbedürfnisse in der Zukunft müssen Leitziele und Handlungskonzepte für die einzelnen Verkehrsträger entwickelt werden. Diese sollen nun in einem öffentlichen Beteiligungsprozess gemeinsam mit den Bürgern erarbeitet werden.

(…) Es handelt sich somit um ein umfassendes Mobilitätskonzept bei dem eine  ganzheitliche Betrachtung von Verkehr,  Städtebau und Umwelt erfolgt.

(…) Die bisher verwendeten Begriffe wie integrierter Verkehrsentwicklungsplan bzw. Gesamtverkehrsplan werden unter dem Arbeitstitel Mobilitätskonzept der Stadt Kempten  2030 subsumiert.

Am 19. Mai 2015 findet um 19 Uhr im Kornhaus eine öffentliche Auftaktveranstaltung zum Mobilitätskonzept 2030 statt. Dort wird zunächst das Ergebnis der Bürgerbefragung und die Bestandsanalyse kurz vorgestellt und ein Ausblick auf die Trendprognose 2025 gegeben. Danach haben die Bürger das  Wort.

Es werden insgesamt 6 Themenstände angeboten, an denen die Bürger die Möglichkeit haben, ihre Anregungen und Ideen einzubringen:

  • Kfz – bzw. motorisierter Individualverkehr
  • Parken
  • Fußgänger- und Radverkehr
  • ÖPNV und Bahn
  • Demographische Entwicklung und Barrierefreiheit
  • Mobilität für Alle

Beim Themenstand „Mobilität für alle“ sollen übergreifende Themen diskutiert werden, wie z. B. Elektromobilität, P+R-Anlagen, Verkehrssicherheit, Lärmimmissionen, Baustellenverkehr, Lichtsignalanlagen etc.

An den jeweiligen Ständen werden zunächst kurze Impulsreferate zu den Inhalten gegeben und anschließend Anliegen, Ideen und Empfehlungen der Bürger aufgenommen. Daraus werden dann
künftige Leitziele und Handlungsempfehlungen für das Mobilitätskonzept 2030 abgeleitet und letztendlich in einen Maßnahmenkatalog mit Prioritätenreihung aufgestellt. Nach der öffentlichen Auftaktveranstaltung werden die einzelnen Themen in einer Arbeitsgruppe fortgesetzt und weiterentwickelt. Diese Arbeitsgruppe soll neben den Vertretern der Behörden, Politik, Vereine und
Verbände auch Teilnehmer der öffentlichen Auftaktveranstaltung umfassen. Während der Arbeit in den Workshops bzw. Arbeitskreisen haben die Bürger die Möglichkeit, am laufenden Prozess teilzunehmen. So sollen die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Internet veröffentlicht werden. Gleichzeitig sollen die Bürger die Möglichkeit besitzen, über ein online-Portal (www.mobilitaetskonzept-kempten.de) laufend ihre Wünsche und Vorstellung in die Arbeitsgruppe einbringen zu können …“

Straßen rückbauen

Die Verkehrsplaner in Kempten haben noch nicht verstanden, dass städtische  Mobilität nicht an ein steigendes Verkehrsaufkommen gebunden ist, und schon  gar nicht an motorisierten Individualverkehr. Im Gegenteil: Je besser der ÖPNV  ausgebaut ist, je mehr für Radfahrer und Fußgänger getan wird, je besser  verknüpft die verschiedenen Mobilitätsformen und -angebote sind, desto  mobiler werden die Einwohner einer Stadt – ohne dass der Verkehr zunimmt.  Denn die komplette urbane Infrastruktur passt sich umgehend an, eine Stadt der  kurzen Wege entsteht. Was bedeutet: Ihre Bewohner müssen gar nicht mehr so  viel und weit fahren, weil sie ihre Bedürfnisse in viel kleinerem Umkreis  befriedigen können.

Wird der motorisierte Verkehr durch andere Fortbewegungsarten ersetzt,  werden zudem in großem Maße Flächen frei, die für anderes genutzt werden  können. Parkplätze und vielspurige Straßen können verwandelt werden in  Gärten, Spielplätze, Cafés. Oder auf eine Nutzung warten, die erst noch  erfunden wird.

Um die Belastungen, die durch den motorisierten Verkehr entstehen, zu  verringern, hilft nur eines: Man muss die Anzahl der Fahrzeuge reduzieren,  indem man systematisch Straßen und Parkraum rückbaut,  Geschwindigkeitsbegrenzungen einführt und Gebühren nach dem  Verursacherprinzip eintreibt. Wer unbedingt mit dem Auto in die Stadt fahren  oder dort eins halten will, muss dafür zahlen. Die erwirtschafteten Mittel  könnten in den Ausbau des ÖPNV sowie des Fuß- und Radwegenetzes fließen, in  Grünanlagen, in Projekte, die alternative Transportmöglichkeiten für
Personen und Güter erproben.

Kempten hat großes Potenzial, fahrradfreundlich zu werden – aber nicht  die Politiker, die es braucht, dieses Potenzial zu wecken, zu erschließen und  zu fördern.

[Quelle: „Berlin,  der Ankündigungsweltmeister“ von Bettina Hartz in ZEIT ONLINE]

Critical Mass Kempten im Juni 2014: Pure Lebensfreude

Ich zitiere mal einen Artikel von salzburg24.at:

„Die Botschaft liegt darin, sich ohne Stau frei und uneingeschränkt in sauberer Luft und Umgebung bewegen zu können, ohne die Rechte anderer einzuschränken und so zu einem positiven, urbanen Lebensgefühl beizutragen.
Die Teilnehmer wollen durch das Auftreten und übermäßigem Betätigen der Klingel die eigene Lebensfreude zum Ausdruck bringen.“

Dies trifft sehr gut die Stimmung letzten Freitag bei der Critical Mass Kempten.

Wir waren ein sehr bunter Haufen von 29 Radfahrern. Vom Kind an der Anhängerstange bis zur Seniorin war fast alles vertreten. Sogar ein Rennradler und ein Mountainbiker waren dabei. Mit strahlenden Gesichtern und einem permanenten Klingelkonzert hatten nicht nur die Teilnehmer große ansteckende Freude. Auch das Feedback aus der Öffentlichkeit war durchweg positiv. Viele Passanten grüßten uns oder klatschten oder jubelten uns zu.

Bilder werden noch folgen…

Unsere Route hatte folgenden Verlauf: Vom Hildegardplatz durch die Salzstraße zum Forum, Bahnhofstr., Hirnbeinstr., Freudenberg runter, Illerstr., beim Kreisverkehr am Pfeilergraben in die Kronenstraße, dann nochmals über die Illerstraße (weil vor dem Stadttheater so viel begeistertes Publikum stand) zum Kreisverkehr am Pfeilergraben, Rottachstr., Madlenerstr., Memminger Str., über den Hildegardplatz zur Open-Air-40-Jahr-Feider des Jugendhauses am Hofgarten.

Route der Critical Mass Kempten im Juni 2014

Route der Critical Mass Kempten im Juni 2014