Freitag, 28.08. ist wieder Critical Mass in Kempten

Hallo zusammen,

am Freitag, den 28. Aug., trifft man sich wieder um 18 Uhr auf dem Hildegardplatz zur Critical Mass Kempten.
Wir radeln in gemütlichem Tempo ca. 1 Stunde sicher und entspannt in der Gruppe auf den Straßen in Kempten.

Critical Mass ist eine weltweite friedliche Bewegung für lebenswerten Verkehr in den Städten. Ab einer Gruppengröße von 16 Radfahrern dürfen diese einen Verband bilden und dann nach StVO § 27 eine Fahrspur in der ganzen Breite nutzen, d. h. zu zweit nebeneinander fahren. Der Verband ist von der Radwegbenutzungspflicht ausgenommen. Ampeln dürfen im Verband geschlossen überquert werden, d. h. wenn der vordere Teil der Gruppe eine grüne Ampel überfährt, folgt der Rest der Gruppe, selbst wenn die Ampel mittlerweile auf Rot umgesprungen ist.

Was will die Critical Mass? Ganz einfach: Fahrrad zeigen! Denn mehr Radverkehr führt zu mehr urbaner Lebensqualität. Wir fahren aus Freude und Spaß am Fahrradfahren und nehmen uns den Platz im Verkehr, der uns im Alltag oft verweigert wird.

Jeden letzten Freitag im Monat, 18 Uhr, Hildegardplatz Kempten.

Rechte von Radlern stärken

Radfahrer gehören auf die Straße – zumindest in der Regel. Das sieht die Straßenverkehrsordnung (StVO) seit ihren Änderungen 1997 und zuletzt 2013 vor. Dafür wirbt auch die Fahrradveranstaltung „Critical Mass“ jeden letzten Freitag im Monat. Doch die Teilnehmer an der Radtour durch Kempten wollen noch mehr erreichen.

Letzter Freitag im Monat, 18 Uhr am Hildegardplatz: Hier trifft sich kein Verein, keine Organisation. Es sind Menschen, die sich der Critical Mass anschließen, der kritischen Masse. Manche wollen einfach nur Spaß haben, andere auf die Rechte der Radfahrer im Straßenverkehr aufmerksam machen.

Die rechtliche Grundlage dafür liefert Paragraf 27 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Schließen sich mindestens 16 Radler zu einer Gruppe zusammen, gelten sie als geschlossener Verband – und damit als ein einziger Verkehrsteilnehmer. Als geschlossener Verband dürfen sie nicht nur zu weit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren, sondern den anderen Teilnehmern auch dann noch folgen, wenn eine Ampel längst von Grün auf Rot gesprungen ist.

Viele Verkehrsteilnehmer kennen diese Regelung gar nicht. Und einzelne reagieren hin und wieder sogar verärgert. Damit sich das ändert, macht sich die Critical Mass jeden letzten Freitag des Monats auf den Weg durch die Stadt. Ihr gemeinsames Ziel: Flagge zeigen. Und darauf hinweisen, dass Radfahrer im Straßenverkehr dieselben Rechte haben wie Autofahrer.

Grafik zu deutschen Critical Mass-Ausfahrten im Juli: Kempten in Top-10

Die Critical Mass Kempten schaffte es im Juli gerade noch unter die Top-10 der aktivsten Städte, umgerechnet auf die Einwohnerzahl.

Auf http://itstartedwithafight.de/2014/08/06/critical-mass-grafik-juli/ gibt’s die neue Grafik von itstartedwithafight.de und der Agentur für clevere Städte zu den Teilnehmerzahlen der deutschen Critical Masses im Juli.

Weiteres zur Einstimmung auf die Critical Mass Kempten

Andrea Reidl schreibt im Fahrrad-Blog Velophil auf ZEIT-Online:

„Freitagabend, 20 Uhr, Hamburg Zentrum. Es ist der letzte Freitag im Monat, Zeit für “Critical Mass” in der Hansestadt: Jetzt gehört die Straße für ein paar Stunden den Radfahrern. Tut sie natürlich nicht, für mich fühlt es sich aber so an. Denn ich fahre mit Hunderten weiteren Velofahrern völlig unbehelligt über rote Ampeln oder durch Straßen und Tunnel, die sonst für Radfahrer gesperrt sind. Für Außenstehende sehen wir deshalb aus wie Demonstranten. Sind wir aber nicht, und das ist den Mitfahrern wichtig.

Critical Mass heißt übersetzt kritische Masse. Die ist erreicht, sobald 16 Radfahrer gemeinsam unterwegs sind. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander als Kolonne auf der Straße fahren, selbst wenn parallel ein Radweg verläuft. Die Anführer beachten die Verkehrsregeln, das Gefolge radelt hinterher – selbst wenn die Ampel auf rot springt. Das ist laut Straßenverkehrsordnung erlaubt und sogar gewollt, um den Verband nicht zu zerreißen. Grundlage ist Paragraf 27 StVO:
[Das lass ich jetzt mal aus. Die Regeln des § 27 der StVO sind schon oft genug erwähnt. Sie stehen z. B. auch auf der Rückseite des Flyers.]

[…]

Für viele Teilnehmer ist “Critical Mass” ein Happening. Aber eigentlich ist es bitter. Denn es zeigt, wie wenig im Bereich der Radverkehrsförderung passiert und dass der Bedarf seit Jahrzehnten besteht. Das ist in San Francisco ebenso der Fall wie in Hamburg und in vielen anderen deutschen Städten.

Wir sind viele, wir werden mehr und erwarten mehr Aufmerksamkeit

“Critical Mass” ist eine der wenigen Möglichkeiten, die Radfahrer überhaupt haben, um ihre Position zu zeigen. Und ihre Aussage ist deutlich: Wir sind viele, wir werden mehr und erwarten mehr Aufmerksamkeit …“

Den kompletten Beitrag könnt Ihr unter blog.zeit.de/fahrrad/2012/10/29/critical-mass-radler-rauf-auf-die-strase nachlesen.

Wir blockieren nicht den Verkehr – wir „sind“ der Verkehr

Uns erreichte eine besorgte Rückmeldung auf unsere Information über die Critical Mass Kempten:

„danke für deine Informationen. […] [Ich bin] ein begeisterter Radfahrer. Zur CM-Aktion weiss ich noch nicht so recht, wie ich mich dazu stellen soll. Ich trete für viel Toleranz in beide Richtungen ein.“

Meine persönliche Meinung dazu:

Ich kann das voll verstehen – das ist nicht ganz unproblematisch. Bei einer großen CM (wie z. B. in Hamburg, Berlin oder Nürnberg) können die Kreuzungen relativ lange durch den (nach § 27 StVO) geschlossenen Verband blockiert sein. Damit fordern die teilnehmenden Radfahrer natürlich sehr viel Toleranz von den Autofahrern. Andererseits fordern aber auch die Autofahrer jeden Tag sehr viel Toleranz von den Radfahrern. Nur wird darüber nicht so viel geredet und berichtet, weil unsere Gesellschaft immer noch überwiegend von Autofahrern geprägt ist. Ich sehe die CM als einen Weg (neben vielen anderen), auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.

Vielleicht hilft folgender Grundsatz der Critical Mass, die Sache positiver zu sehen:

Wir behindern nicht den Verkehr – wir sind der Verkehr!

Bei einer Critical Mass möchten die Beteiligten auf sich als aktive Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen und so ein Stück Straße zurückerobern. Der motorisierte Straßenverkehr muss dabei aber nicht blockiert oder absichtlich gestört werden. Ganz im Gegenteil. CM will den Verkehr nicht behindern, sondern selbst der Verkehr „sein“. Es geht natürlich auch einfach darum, Spaß zu haben und gemeinsam mit Freunden Fahrrad zu fahren.

(www.change-it.org/machen/aktionsformen/critical-mass)